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IFRS 17 - Neue Bilanzierungsregeln für die Versicherungswirtschaft

Nach über 20 Jahren Projektlaufzeit ist es soweit: Das IASB (International Accounting Standard Board) veröffentlichte am 18. Mai 2017 den neuen internationalen Rechnungslegungsstandard für Versicherungsverträge IFRS 17. Damit liegt erstmals eine weltweit einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen vor. Der neue Standard wird allerdings erst ein Jahr später kommen als zunächst geplant.

Das komplexe Regelwerk IFRS 17 wird voraussichtlich am 1. Januar 2022 in Kraft treten und löst den seit 2005 geltenden Interimsstandard IFRS 4 ab. Eigentlich war die Erstanwendung des IFRS 17 bereits für die Geschäftsjahre ab Anfang 2021 vorgesehen. Doch im November vergangenen Jahres entschied sich das IASB dazu, das Regelwerk erst ein Jahr später in Kraft treten zu lassen. Im Zusammenhang damit wurde auch beschlossen, die vorübergehende Befreiung von IFRS 9 um ein Jahr zu verlängern. Der neue Standard regelt die Grundsätze in Bezug auf die Identifikation, den Ansatz, die Bewertung, den Ausweis sowie die Anhangangaben für Versicherungsverträge.

Versicherungswirtschaft sieht noch Klärungsbedarf

Wie bei anderen neu entwickelten IFRS üblich, wurde auch in diesem Fall eine Transition Resource Group (TRG), ein öffentliches Forum für Vertreter der Versicherungswirtschaft, ins Leben gerufen, um offene Fragen zur Implementierung von IFRS 17 zu diskutieren. Die Bedenken der TRG und die daraus resultierenden Änderungsvorschläge veranlassten das IASB dazu, den Einführungszeitpunkt zu verschieben und den Unternehmen mehr Zeit einzuräumen. In den kommenden Monaten erörtert das IASB die Vorschläge der TRG. Voraussichtlich Mitte 2019 sollen dann die inhaltlichen Sachverhalte, die tatsächlich geändert werden sollen, in Form eines Exposure Draft erneut zur Diskussion gestellt werden.

Der neue Standard muss zudem in EU-Recht umgesetzt werden (sog. Endorsement). Dazu hatte die EU-Kommission die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) aufgefordert, eine Übernahmeempfehlung zu erarbeiten. Am 26. Oktober 2018 legte EFRAG eine Statusmeldung zum Endorsement-Prozess vor. Demnach wird die EFRAG ihre Arbeit an der Empfehlung aussetzen, bis die erneuten Beratungen des IASB abgeschlossen sind.

Es ist an der Zeit zu handeln

Obwohl die Einführung um ein Jahr verschoben wurde, drängt die Zeit.

Unternehmen, die nach IFRS (International Financial Reporting Standards) bilanzieren müssen bzw. wollen und Quartalsbilanzen erstellen, benötigen nunmehr für den 01.01.2021 eine Eröffnungsbilanz. Aller Voraussicht nach werden auch früher abgeschlossene Verträge mindestens teilweise so zu behandeln sein, als wären sie von Beginn an nach IFRS 17 bilanziert worden.

Alle Versicherer, für die IFRS ein Thema ist, sollten sich aktiv vorbereiten und zeitnah die Umsetzung in der Bestandsführung in Angriff nehmen. Die Umsetzung des IFRS 17 hat beträchtliche Auswirkungen auf die IT-Architekturen der Versicherer. Während der Vorgängerstandard IFRS 4 es erlaubte, abgesehen von einzelnen Besonderheiten, die bisherige Bilanzierungspraxis größtenteils beizubehalten, stellt IFRS 17 weitreichende neue Anforderungen. Damit werden die Systeme deutlich komplexer, in denen Versicherer die regulatorischen Anforderungen abbilden müssen.

Trotz gewisser Ähnlichkeiten mit den Solvabilitätsvorschriften Solvency II stellt IFRS 17 die Unternehmen vor noch größere Herausforderungen in Bezug auf Interpretation des Standards, Änderung der Prozesse und Aufwand für die Umsetzung. So nannte etwa Andreas Brandstetter, CEO der Uniqa Insurance Group, bei der Präsentation der vorläufigen Geschäftszahlen 2018 einen Betrag von 50-60 Millionen Euro, den das Unternehmen für die Umstellung auf IFRS 17 aufwenden müsse. Dies sei doppelt so viel wie die seinerzeit bei der Implementierung von Solvency II angefallenen Kosten. Bekannte Größen wie Prämien, Schäden und Leistungen werde es dann nicht mehr geben, so Brandstetter.

Neues Bewertungsmodell

Eine der zentralen Änderungen des IFRS 17 ist die Einführung eines neuen Bewertungsmodells. Um einen einzelnen Vertrag zu bewerten, benötigt man zunächst einen sog. Erfüllungswert (Fulfilment Value). Dieser wird mit einem Bausteinansatz auf Basis der einzelvertraglichen Cashflows ermittelt. Neben der Bestimmung der Zahlungsströme (Cashflows) und des Zeitwerts des Geldes (Diskontierung) muss eine risikobedingte Anpassung (Risk Adjustment) für das nicht-finanzielle Risiko vorgenommen werden.

Hinzu kommt als viertes Element die sog. vertragliche Servicemarge (Contractual Service Margin – kurz CSM). Die CSM wird nicht einzelvertraglich, sondern für Vertragsgruppen bestimmt. Dazu ist eine zweistufige Kollektivbildung vorzunehmen, das heißt Klassifikation, vorzunehmen. Hierfür sind die einzelnen Verträge in der Bestandsführung entsprechend zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung darf nach dem Erstansatz nicht mehr geändert werden. Die Vertragsgruppen sollten frühzeitig eingeführt werden, da nachträgliche Bestandsanreicherungen mit zunehmender Historie komplexer werden.

Mit dem Variable Fee Approach (VFA) wurden zudem spezielle Regelungen für Verträge mit direkter Überschussbeteiligung eingeführt, die den für das deutsche Lebensversicherungsgeschäft typischen Besonderheiten Rechnung tragen. Damit soll sichergestellt werden, dass bei diesen Verträgen keine unangemessenen Ergebnisschwankungen auftreten.

Wichtige Informationen stehen noch aus

Auch wenn der Text von IFRS 17 nun veröffentlicht wurde, sind wichtige Informationen wie Stellungnahmen, Handreichungen, etc. noch im Entstehen. Zum einen hat die IAA (International Actuarial Association) diverse Unterlagen angekündigt, vor allem den IAA-Musterstandard (ISAP 4) und umfangreiche International Actuarial Notes (IAN 100) als Erläuterung. Darüber hinaus stellt das IASB nach und nach Schulungsmaterialien wie z.B. Webcasts zu verschiedenen Themengebieten zur Verfügung.

Umsetzung der IFRS 17-Anforderungen mit Lösungen von msg life

Um die neuen Bilanzierungsvorgaben umsetzen zu können, müssen vorhandene IT-Landschaften angepasst, neue Funktionalitäten integriert und Systeme erweitert werden. Experten sprechen von einem “Mammutprojekt” für die Versicherer. Wir bieten mit unserem Bestandsführungssystem für die Sparte Leben, msg.Life Factory, eine flexible und leistungsstarke Plattform, die alle notwendigen Anforderungen abbildet. msg.Life Factory erlaubt die hocheffiziente Abwicklung aller Geschäftsprozesse unter Nutzung der relevanten historischen Informationen.

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