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IFRS 17 - Neue Bilanzierungsregeln für die Versicherungswirtschaft

Nach über 20 Jahren Projektlaufzeit ist es soweit: Das IASB (International Accounting Standard Board) veröffentlichte am 18. Mai 2017 den neuen internationalen Rechnungslegungsstandard für Versicherungsverträge IFRS 17. Damit liegt erstmals eine weltweit einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen vor.

IFRS 17 tritt am 01.01.2021 in Kraft und löst den seit 2005 geltenden Interimsstandard IFRS 4 ab. Der neue Standard regelt die Grundsätze in Bezug auf die Identifikation, den Ansatz, die Bewertung, den Ausweis sowie die Anhangangaben für Versicherungsverträge. IFRS 17 zielt darauf ab, aktuelle, transparente und vergleichbare Rechnungslegungsinformationen für Versicherungsverträge bereitzustellen, um deren Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie die Zahlungsströme eines Unternehmens nachvollziehbar zu machen.

Nach der Veröffentlichung muss der Standard in EU-Recht umgesetzt werden. Dazu forderte die EU-Kommission die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) auf, eine Übernahmeempfehlung zu erarbeiten. Der Ratschlag soll im dritten Quartal 2018 vorliegen.

Es ist an der Zeit zu handeln

Auch wenn das Jahr 2021 noch in weiter Ferne scheint, drängt die Zeit. Unternehmen, die nach IFRS (International Financial Reporting Standards) bilanzieren müssen bzw. wollen und Quartalsbilanzen erstellen, benötigen bereits für den 01.01.2020 eine Eröffnungsbilanz. Aller Voraussicht nach werden auch früher abgeschlossene Verträge mindestens teilweise so zu behandeln sein, als wären sie von Beginn an nach IFRS 17 bilanziert worden.

Alle Versicherer, für die IFRS ein Thema ist, sollten sich aktiv vorbereiten und zeitnah die Umsetzung in der Bestandsführung in Angriff nehmen. Die Umsetzung des IFRS 17 hat beträchtliche Auswirkungen auf die IT-Architekturen der Versicherer. Während der Vorgängerstandard IFRS 4 es erlaubte, abgesehen von einzelnen Besonderheiten, die bisherige Bilanzierungspraxis größtenteils beizubehalten, stellt IFRS 17 weitreichende neue Anforderungen. Damit werden die Systeme deutlich komplexer, in denen Versicherer die regulatorischen Anforderungen abbilden müssen.

Neues Bewertungsmodell

Eine der zentralen Änderungen des IFRS 17 ist die Einführung eines neuen Bewertungsmodells. Um einen einzelnen Vertrag zu bewerten, benötigt man zunächst einen sog. Erfüllungswert (fulfilment value). Dieser wird mit einem Bausteinansatz auf Basis der einzelvertraglichen Cashflows ermittelt. Neben der Bestimmung der Zahlungsströme (cashflows) und des Zeitwerts des Geldes (Diskontierung) muss eine risikobedingte Anpassung (risk adjustment) für das nicht-finanzielle Risiko vorgenommen werden.

Hinzu kommt als viertes Element die sog. vertragliche Servicemarge (Contractual Service Margin – kurz CSM). Die CSM wird nicht einzelvertraglich, sondern für Vertragsgruppen bestimmt. Dazu ist eine zweistufige Kollektivbildung vorzunehmen, das heißt Klassifikation, vorzunehmen. Hierfür sind die einzelnen Verträge in der Bestandsführung entsprechend zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung darf nach dem Erstansatz nicht mehr geändert werden. Die Vertragsgruppen sollten frühzeitig eingeführt werden, da nachträgliche Bestandsanreicherungen mit zunehmender Historie komplexer werden.

Mit dem Variable Fee Approach (VFA) wurden zudem spezielle Regelungen für Verträge mit direkter Überschussbeteiligung eingeführt, die den für das deutsche Lebensversicherungsgeschäft typischen Besonderheiten Rechnung tragen. Damit soll sichergestellt werden, dass bei diesen Verträgen keine unangemessenen Ergebnisschwankungen auftreten.

Wichtige Informationen stehen noch aus

Auch wenn der Text von IFRS 17 nun veröffentlicht wurde, fehlen noch wichtige Informationen wie Stellungnahmen, Handreichungen, etc. Zum einen hat die IAA (International Actuarial Association) diverse Unterlagen angekündigt, vor allem den IAA-Musterstandard (ISAP 4), umfangreiche International Actuarial Notes (IAN) als Erläuterung sowie Monografien zu den Themen Discounting und Risk Adjustment. Darüber hinaus will das IASB nach und nach Schulungsmaterialien wie z.B. Webcasts zu verschiedenen Themengebieten zur Verfügung stellen. Dennoch sollten die betroffenen Unternehmen schon jetzt mit der Umsetzung in der Bestandsführung beginnen.

Umsetzung der IFRS 17-Anforderungen mit Lösungen von msg life

Um die neuen Bilanzierungsvorgaben umsetzen zu können, müssen vorhandene IT-Landschaften angepasst, neue Funktionalitäten integriert und Systeme erweitert werden. Experten sprechen von einem „Mammutprojekt“ für die Versicherer. Wir bieten mit unserem Bestandsführungssystem für die Sparte Leben, msg.Life Factory, eine flexible und leistungsstarke Plattform, die alle notwendigen Anforderungen abbildet. msg.Life Factory erlaubt die hocheffiziente Abwicklung aller Geschäftsprozesse unter Nutzung der relevanten historischen Informationen.

Die ideale Plattform für die Bereitstellung der einzelvertraglichen Cashflows und damit die Basis für alle weiteren vertragsbezogenen Berechnungen bietet die Standardsoftware msg.Ilis. Wie msg.Life Factory ist auch msg.Ilis in der Komplettlösung msg.Insurance Suite integriert. Die Zusatzkomponente msg.Ilis bietet eine zentrale Datenhaltung, in der alle Daten verwaltet werden, die für Projektionsberechnungen, Auswertungen und Risikobewertungen notwendig sind. Die Lösung ermöglicht eine revisionssichere Speicherung von Daten und die Reproduzierbarkeit der Berechnungen.