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IFRS 17 - Neue Bilanzierungsregeln für die Versicherungswirtschaft

Nach über 20 Jahren Projektlaufzeit war es soweit: Das IASB (International Accounting Standard Board) veröffentlichte am 18. Mai 2017 den neuen internationalen Rechnungslegungsstandard für Versicherungsverträge IFRS 17. Damit lag erstmals eine weltweit einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen vor.

Das komplexe Regelwerk IFRS 17 wird voraussichtlich am 1. Januar 2023 in Kraft treten und löst den seit 2005 geltenden Interimsstandard IFRS 4 ab. Eigentlich war die Erstanwendung des IFRS 17 bereits für die Geschäftsjahre ab Anfang 2021 vorgesehen. Doch aufgrund des umfangreichen Anpassungsbedarfs entschied sich das IASB zweimal dazu, das Regelwerk jeweils ein Jahr später in Kraft treten zu lassen. Im Zusammenhang damit wurde auch beschlossen, die vorübergehende Befreiung von IFRS 9 zu verlängern. Der neue Standard regelt die Grundsätze in Bezug auf die Identifikation, den Ansatz, die Bewertung, den Ausweis sowie die Anhangangaben für Versicherungsverträge.

Ein langwieriger Prozess

Wie bei anderen neu entwickelten IFRS üblich, wurde auch in diesem Fall eine Transition Resource Group (TRG), ein öffentliches Forum für Vertreter der Versicherungswirtschaft, ins Leben gerufen, um offene Fragen zur Implementierung von IFRS 17 zu diskutieren. Die Bedenken der TRG und die daraus resultierenden Änderungsvorschläge veranlassten das IASB dazu, den Einführungszeitpunkt zu verschieben und den Unternehmen mehr Zeit einzuräumen. Auf Basis der Vorschläge der TRG veröffentlichte das IASB am 25. Juni 2020 die “Amendments to IFRS 17”. Damit verschob sich der geplante Einführungstermin auf den 01.01.2023.

Der neue Standard muss allerdings noch in EU-Recht umgesetzt werden (sog. Endorsement). Dazu hat die EU-Kommission die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) aufgefordert, eine Übernahmeempfehlung zu erarbeiten. Am 30. September 2020 legte EFRAG einen Entwurf für die Übernahmeempfehlung vor. Einen Termin für die voraussichtliche Übernahme gibt es noch nicht.

Es ist an der Zeit zu handeln

Unternehmen, die nach IFRS (International Financial Reporting Standards) bilanzieren müssen bzw. wollen und Quartalsbilanzen erstellen, benötigen nunmehr für den 01.01.2022 eine Eröffnungsbilanz. Aller Voraussicht nach werden auch früher abgeschlossene Verträge mindestens teilweise so zu behandeln sein, als wären sie von Beginn an nach IFRS 17 bilanziert worden.

Alle Versicherer, für die IFRS ein Thema ist, sollten sich aktiv vorbereiten und zeitnah die Umsetzung in der Bestandsführung in Angriff nehmen. Die Umsetzung des IFRS 17 hat beträchtliche Auswirkungen auf die IT-Architekturen der Versicherer. Während der Vorgängerstandard IFRS 4 es erlaubte, abgesehen von einzelnen Besonderheiten, die bisherige Bilanzierungspraxis größtenteils beizubehalten, stellt IFRS 17 weitreichende neue Anforderungen. Damit werden die Systeme deutlich komplexer, in denen Versicherer die regulatorischen Anforderungen abbilden müssen.

Trotz gewisser Ähnlichkeiten mit den Solvabilitätsvorschriften Solvency II stellt IFRS 17 die Unternehmen vor noch größere Herausforderungen in Bezug auf Interpretation des Standards, Änderung der Prozesse und Aufwand für die Umsetzung. So nannte etwa Andreas Brandstetter, CEO der Uniqa Insurance Group, bei der Präsentation der vorläufigen Geschäftszahlen 2018 einen Betrag von 50-60 Millionen Euro, den das Unternehmen für die Umstellung auf IFRS 17 aufwenden müsse. Dies sei doppelt so viel wie die seinerzeit bei der Implementierung von Solvency II angefallenen Kosten. Bekannte Größen wie Prämien, Schäden und Leistungen werde es dann nicht mehr geben, so Brandstetter.

Neues Bewertungsmodell

Eine der zentralen Änderungen des IFRS 17 ist die Einführung eines neuen Bewertungsmodells. Um einen einzelnen Vertrag zu bewerten, benötigt man zunächst einen sog. Erfüllungswert (Fulfilment Value). Dieser wird mit einem Bausteinansatz auf Basis der einzelvertraglichen Cashflows ermittelt. Neben der Bestimmung der Zahlungsströme (Cashflows) und des Zeitwerts des Geldes (Diskontierung) muss eine risikobedingte Anpassung (Risk Adjustment) für das nicht-finanzielle Risiko vorgenommen werden.

Hinzu kommt als viertes Element die sog. vertragliche Servicemarge (Contractual Service Margin – kurz CSM). Die CSM wird nicht einzelvertraglich, sondern für Vertragsgruppen bestimmt. Dazu ist eine zweistufige Kollektivbildung, das heißt Klassifikation, vorzunehmen. Hierfür sind die einzelnen Verträge in der Bestandsführung entsprechend zu kennzeichnen. Diese Portfolio-/Gruppenbildung der Verträge darf nach dem Erstansatz nicht mehr geändert werden. Die Vertragsgruppen sollten frühzeitig eingeführt werden, da nachträgliche Bestandsanreicherungen mit zunehmender Historie komplexer werden.

Mit dem Variable Fee Approach (VFA) wurden zudem spezielle Regelungen für Verträge mit direkter Überschussbeteiligung eingeführt, die den für das deutsche Lebensversicherungsgeschäft typischen Besonderheiten Rechnung tragen. Damit soll sichergestellt werden, dass bei diesen Verträgen keine unangemessenen Ergebnisschwankungen auftreten.

Über all das hinaus sieht der neue Standard die Trennung von Versicherungs- und Investmentkomponente eines Versicherungsvertrages vor. Als Investmentkomponente werden dabei diejenigen Beträge verstanden, die das Versicherungsunternehmen dem Kunden “unter allen Umständen” zurückzuzahlen hat, unabhängig davon, ob ein versichertes Ereignis eingetreten ist oder nicht. Gemäß IFRS 17 ist diese Investmentkomponente von der Versicherungskomponente in der Gewinn- und Verlustrechnung und im Anhang zu trennen und daher aus Leistungszahlen herauszurechnen.

Noch immer gibt es offene Punkte

Auch die Amendments zu IFRS 17 haben noch Fragen offengelassen bzw. nicht im Sinne der Versicherungsbranche beantwortet. Der für Lebensversicherer wichtigste Punkt ist die Diskussion, ob bei Anwendung des Variable Fee Approach (VFA) die Bildung von Jahreskohorten angemessen sei, da sie den Ausgleich im Kollektiv weitgehend außer Acht lasse und unnötige Komplexität verursache.

Umsetzung der IFRS 17-Anforderungen mit Lösungen von msg life

Um die neuen Bilanzierungsvorgaben umsetzen zu können, müssen vorhandene IT-Landschaften angepasst, neue Funktionalitäten integriert und Systeme erweitert werden. Experten sprechen von einem “Mammutprojekt” für die Versicherer. Wir bieten mit unserem Bestandsführungssystem für die Sparte Leben, msg.Life Factory, eine flexible und leistungsstarke Plattform, die alle notwendigen Anforderungen abbildet. msg.Life Factory erlaubt die hocheffiziente Abwicklung aller Geschäftsprozesse unter Nutzung der relevanten historischen Informationen. Unterstützend für IFRS 17 sind hier die Portfolio-/Gruppenbildung der Verträge sowie die Investmentkomponente abgebildet.

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