msg life ag - Logo
Sprache:  
DE | EN
  |  Login
Digitalisierung

Modulare Baukästen: Versicherungsvertrieb in einer digitalen Welt (2)

Von Erik Somssich / 6. Februar 2020
Modular Baukästen im Versicherungsvertrieb

Was moderne Kunden von Versicherungsunternehmen fordern und weshalb eine Inside-Out-Perspektive nicht ausreicht, um neuen Wettbewerbern die Stirn zu bieten, wurde bereits im ersten Beitrag ausführlich dargelegt. Jetzt geht es darum, wie Versicherer ihre Produktwelt gestalten sollten, um auch künftig erfolgreich zu sein. Um die veränderten Bedürfnisse der Kunden in einer digitalen Welt erfüllen zu können, sollten sie ihre Produkte und Services nach den Lebenswelten der Kunden bündeln. Dadurch lassen sich Kunden einfacher und überzeugender erreichen.

Undurchschaubare Produkt- und Tarifvielfalt

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich die Assekuranz von ihrer nach Sparten gegliederten Produktwelt löst. Das fordert Mirko Theine, Versicherungsmanager der Unternehmensberatung zeb, auf der Konferenz “Hacknext”, wie das Versicherungsjournal am 11.03.2019 berichtet. Viele Kunden seien mit der üblichen Einteilung in Haftpflicht-, Sach-, Leben- und Vermögensschäden überfordert. Sie wüssten nicht, welches Risiko der persönlichen Lebensführung wo versichert sei.

Diese in Sparten gegliederte komplexe, unübersichtliche Produktvielfalt mit mannigfaltigen Variationsmöglichkeiten ist für den Kunden undurchschaubar – und für viele Versicherer ein Problem. “Der Wildwuchs an Neuentwicklungen, Erweiterungen und Modifikationen der Produkte führt zu immer höherer Komplexität in IT-Systemen, in der Beratung und bei der Schadenbearbeitung”, kritisiert Theine. Abschlüsse ließen sich aufgrund einer Vielzahl von Varianten und Sonderfällen nicht mehr in einer überschaubaren Antragsstrecke bewältigen. Die fehlende Produktlogik beeinträchtige auch das Cross-Selling.

Produktwelt an den Lebensbereichen des Kunden ausrichten

Deshalb schlägt der Versicherungsexperte vor, spartenübergreifenden Versicherungsschutz für die Lebensabschnitte eines Kunden anzubieten. Versicherer sollten Produktmodule schaffen und diese Module “nach den Lebensbereichen des Kunden ausrichten”. Modularität bedeutet demnach, Versicherungsprodukte in voneinander unabhängige, kombinierbare Teile aufzuspalten, die herkömmliche Sparten überwinden. Versicherungsrelevante Lebensthemen könnten z.B. Wohnen, Beruf, Mobilität, Gesundheit oder Familie sein. Modulare Versicherungsprodukte sollten Risiken aus einer Lebenswelt des Kunden abdecken.

So könnte dem Kunden zum Thema Wohnen z.B. eine Hausrat-, Wohnrechtsschutz-, Gebäudeschutz- sowie eine Haus- und Grundbesitzhaftpflichtversicherung angeboten werden. Das kann natürlich weiter ausgebaut werden um Schutz vor Elementarschäden, Fahrrad- oder Schmuckversicherung, Gartenschutz etc. Auch Dienstleistungen wie Smart-Home-Produkte oder Assistance-Leistungen sind denkbar.

Modulare Baukästen

Dazu müsse die Architektur bestehender Produkte verändert werden, führt Theine weiter aus. Separat tarifierte Elementarprodukte sollten zu Produkten im juristischen Sinne, d.h. mit einem Vertragswerk, gebündelt werden. Es gehe allerdings nicht darum, rund um ein Kernprodukt ein Produktbündel zu schnüren, sondern vielmehr darum, eine Vielzahl gleichwertiger Module anzubieten. Versicherer sollten sich einen “modularen Baukasten” schaffen aus Modulen, die einfach, schnell und flexibel zu neuen Produkten kombiniert werden können.

Allianz nimmt sich Lego als Vorbild

Versicherer wie die Allianz haben das erkannt: “Wir wollen einfach und intuitive Produkte, die die Kunden begeistern, und dies immer zu wettbewerbsfähigen Preisen”, sagt Klaus-Peter Röhler, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland auf einer Fachkonferenz in Köln im Dezember 2019. Dazu setzt die Allianz auf eine Modulbauweise wie bei “Lego”.

Neue Anforderungen an die IT

Eine solche Modulbauweise führt auch zu neuen Anforderungen an die IT-Architektur. Das zentrale Angebotssystem muss in der Lage sein, Produkte unterschiedlicher Sparten zusammenzuführen und nach außen in Form eines individualisierten Produktbündels darzustellen. Diese Verkaufsprodukte bzw. Produktbündel sollten einfach, kanal- und zielgruppenspezifisch konfigurierbar sein. Der Kunde erhält dadurch zum Beispiel ein Familienabsicherungspaket, hinter dem sich eine Haftpflichtversicherung, eine Todesfallleistung, eine Ausbildungsversicherung und eine Krankenzusatzversicherung verbergen.

Eine modulare Produktwelt hat viele Vorteile:

• höhere Innovationsgeschwindigkeit
• beschleunigte Time-to-Market
• reduzierter Verwaltungsaufwand
• vereinfachte Handhabbarkeit der Produkte
• höheres Cross- und Upselling-Potential
• steigende Verkaufszahlen

Wenn Versicherer ein Versicherungsprodukt für einen bestimmten Lebensbereich bieten, das durch flexibel konfigurierbare Module individualisiert und je nach Bedarf erweitert werden kann und dieser Risikoschutz auch noch gut verständlich, einfach und ansprechend gestaltet ist, haben Versicherer beste Chancen, auch in Zukunft erfolgreich zu verkaufen und weiter zu wachsen.

Es gibt weitere bedeutende Trends, die Versicherer berücksichtigen sollten, wenn sie sich in einem veränderten Wettbewerbsumfeld erfolgreich positionieren wollen. So interessiert sich der moderne Kunde für digitale Ökosysteme. Welches Potential dahintersteckt, welche Strategien möglich sind und welche Vorteile digitale Plattformen bieten, lesen Sie in unserem nächsten Beitrag dieser Blogserie : “Ökosystemen gehört die Zukunft”

Zu Blog Übersichtsseite